19.09.2009 Vogeltöne II - 100 Jahre Heineanum
"Vogeltöne-Konzert im Dom" und "Kongeniale Begegnungen"
Halberstadt (sc). So ein Konzertbesuch bildet, nicht nur was Musik anbelangt. Wer hätte gedacht, dass man bei einem Orgelkonzert etwas über Vögel lernt? Und dass selbst ausgebildete Vogelkundler beim heiteren Stimmenraten nicht immer richtig lagen.
Das jüngste Domkonzert widmete sich den Vogeltönen, zum zweiten Mal in diesem Jahr erklangen Musikwerke, in denen Vogelrufe eine Rolle spielen oder die vom Gesang der gefiederten Wesen inspiriert waren. Im Zusammenhang mit der Ausstellung „Moderne Vogelbilder“ und mit Blick auf das 100-jährige Jubiläum des Vogelkundemuseums Heineanum hatte Domkantor Claus-Erhard Heinrich eine Anregung des Kulturausschussvorsitzenden der Stadt in die Tat umgesetzt. Jürgen Jüling freute sich denn auch über die gelungene Kooperation kultureller Anbieter in Halberstadt.
Standen beim ersten Vogeltöne-Konzert die Impressionen Claus-Erhard Heinrichs über zwei Bilder der aktuellen Ausstellung im Mittelpunkt, waren es diesmal vor allem die französischen Komponisten, auf denen das Konzertthema fußte. Den deutschen Komponisten schien und scheint die Beschäftigung mit den Vogelgesängen wohl „nicht ernsthaft genug zu sein“, wie es der Kirchenmusikdirektor in seiner Moderation formulierte. Neben Heinrich agierte am vergangenen Sonnabend Ulrike Stroh an der Eule-Orgel des Doms und ließ die teils vielschichtigen Werke gekonnt den Kirchenraum füllen. Waren Stücke wie „Die Schwalbe“ von Louis Claude Daquin oder die „Gutmütigen Kuckucke“ von Francois Couperin leicht und fröhlich, gab es mit Olivier Messiaens „Meditation über die Heilige Dreifaltigkeit“ schwere Kost. Wuchtig und dunkel, wohl die Passion aufnehmend, erklang im Dom die zweite der drei Meditationen, die über Christus, den Sohn. Interessant hier die Rahmung durch das gregorianische Gloria und die Brechung durch zarte Vogelgesänge von Zaunkönig, Amsel, Mönchsgrasmücke und Co. Den festlichen Abgesang dieses Konzertparts übernahm Camille Saint-Saens „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“.
Sabine Scholz
Den fulminaten Abschluss des Abends gestaltete Domkantor Heinrich mit zwei wieder äußerst gelungenen Improvisationen. Zu den Bildern „Möwen“ und „Schmuckscharben“ fand er kongeniale Tonsetzungen.
Bleibt zu hoffen, dass diese Art von Kunstbegegnung häufiger stattfindet in der Domstadt. Aber zumindest in zwei Jahren könnte es dieses Zusammenspiel ja wieder geben, wenn die nächste Schau moderner Vogelmalerei in Halberstadt präsentiert wird.