Gotthold Schwarz und KMD Claus-Erhard Heinrich gaben Konzert im Dom

Das Konzert für bass und Orgel, das am 22. August im Dom stattfand, darf wohl zu den kirchenmusikalischen Veranstaltungen von besonderem Rang gezählt werden.
Gotthold Schwarz und Claus-Erhard Heinrich luden zu einer musikalischen Entdeckungsreise ein. Es erklang eine Reihe von Werken, die selten auf Konzertprogrammen zu finden sind. Es ehrt die Künstler, dass sie auch Kompositionen von Meistern zu Gehör brachten, die gerade zu ihrem Jubiläumsjahr nicht übergangen werden sollten – Paulus Hofhaimer (Paul Hofhaymer) und Henry Purcel.
Nach dem eingangs gesungenen Gregorianischen Kyrie erklang Paul Hofhaimers „Recordare“ – die Aufforderung ab Maria, sie möge im Angesicht Gottes dessen Zorn von den Gläubigen abwenden-, von Gotthold Schwarz flehend und innig, mit schöner, kraftvoller Stimme im Hohen Chor des Domes vorgetragen. Claus-Erhard Heinrich Spielte in respektvollem Abstand auf der großen Orgel.
Es folgte „Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand, „Text und Melodie von Martin Luther, im Evangelischen Gesangbuch unter Nr. 1902 zu finden. Gotthold Schwarz hatte für seine ausdrucksvolle Wiedergabe des schlichten Lutherchorals den Lettner gewählt.
Danach pielte Claus-Erhard Heinrich auf dem Positiv ein kunstvoll und reich verziertes, wohlklingendes Voluntary (= Orgelsolo) con Henry Purcell – engagiert und die Zuhörer fesselnd.
Die sich anschließenden vier geistlichen Lieder von Georg Böhm, der zu den bedeutenden Meistern des norddeutschen Spätbarocks auf dem Gebiet der Orgelmusik zu zählen ist, waren eine Offenbarung. Gotthold Schwarz sang sie eindringlich, die schönen Läufe locker und geschmeidig. Claus-Erhard Heinrich begleitete den Gesang behutsam und mit großem Einfühlungsvermögen.
Bezaubernd Joseph Haydns 1772 entstandenes Werk „Aus der Flötenuhr“. Diese anmutigen, herrlich naiv wirkenden Stücke bot Claus-Erhard Heinrich flüssig und temperamentvoll, besonders überzeugend den witzig und humorvoll wirkenden „Kaffeeklatsch“. Ein Hörvergnügen, etwas zum Schmunzeln.
Eine sängerische Glanzleistung bot Gotthold Schwarz mit Rosettis Solomotette „Ad festa, fideles“ („Kommt zum Fest, ich Gläubigen“). Hier konnte sich der Sänger voll entfalten.
Die Interpretation des Werkes wirkte wie aus einem Guss. Besonders faszinierten die jubilierenden Schlusspassagen.
Der zweite Teil des denkwürdigen Konzerts wurde im Langhaus des Domes fortgesetzt.
Gotthold Schwarz hatte sich für die Interpretation der Komposition „de profundis“ von Franz Liszt auf den Lettner begeben, während Claus-Erhard Heinrich an der Domorgel Platz genommen hatte. Liszt hat mit diesem Werk ein Musterbeispiel gegeben, wie man mit dem sparsamen Einsatz der Mittel eine ungeheure Tiefenwirkung erzielen kann.
Viel Sologesang; zurückhaltend, fast karg die Orgel, kühn und modern die Harmonik.
Es folgte Johann Sebastian Bach „Aus tiefer Not schrei ich zu die,“ das Claus Erhard Heinrich eindringlich und mit großem Verständnis wiedergab.
Der Abend klang mit Psalm 23 in der Vertonung des Halberstädter Kirchenmusikdirektors aus. Der Leipziger Sänger engagierte sich auf anerkennenswerte Weise für das komplizierte, eine Fülle überraschender Klangeffekte enthaltenen Werk, das dem Text in beglückender Art gerecht wird. Ergreifend das abschließende AMEN.
Die Künstler dankten für den herzlichen Beifall der Hörer mit zwei Zugaben von Joseph Rheinberger und Georg Böhm.

 

Von Manfred Denecke