01.08.2009 Orgelkonzert Prof. Bossert

Halberstadt (sc). Manch Konzertgast war zu Beginn etwas enttäuscht, dass er am vergangenen Sonnabendabend nicht den Vatikan-Organisten James Edward Goettsche erleben würde. Doch enttäuscht verließ niemand den Dom nach diesem Orgelkonzert. Ganz im Gegenteil – stehend spendeten die Zuhörer Applaus für den „Ersatz“. Professor Christoph Bossert lieferte ein Juwel des Orgelspiels. Mit Bach und Mendelssohn-Bartholdy hatte er zwei populäre Komponisten ausgewählt, um dem Halberstädter Musikfreund ein besonderes Hörvergnügen zu bescheren. Nicht nur, dass die Orgel in ihrer ganzen Zartheit und Klanggewalt zu Leben erwachte, die Auswahl der Stücke nahm den Zuhörer mit auf Gedankenreisen.

Kirchenmusikdirektor Claus-Erhard Heinrich hatte zu Beginn auf die Forschungen zu Bachs Werk verwiesen, warum sich Mathematiker und andere mit der Suche nach tieferen Botschaften in dem Werk des Barock-Giganten befassen, welchen Spekulationen Raum bleibt in diesem Zusammenhang. Prof. Christoph Bossert interpretierte Bach auf seine Weise: mit furiosen Tonläufen, zarten Zwischentönen, klaren Aussagen erreichten die barocken Stücke die Gegenwart. Schon das erste Stück, die Passacaglia c-Moll stimmte auf das Können des Organisten ein. Es folgten der Choral „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ und nach hinreißend gespielter Toccata, Adagio und Fuge C-Dur beeindruckende Bearbeitungen von vier Orgelchorälen aus der Neumeister-Sammlung. Die Choräle vereinten sich in Bosserts Interpretation zu einem Wechselbad der Emotionen. Da trafen üppige Klangstrukturen auf leichte, schwebende Töne, dunkle Traurigkeit auf Zuversicht und Lebensfreude.

So schön die Auswahl und Darbietung der Bach-Stücke, so gekonnt und mitreißend die Bearbeitungen zweier Praeludien Felix Mendelssohn-Bartholdys. Der Würzburger hatte aus den „Praeludien und Fugen für Klavier opus 35“ die Stücke 5 und 6 gewählt und bot sie in einer Art und Weise dar, die die vermeintlich „alte Musik“ zu einem sehr modernen, gegenwärtigen Klangerwartungen entsprechenden Hörerlebnis werden ließ. Der stehend gespendete Beifall war mehr als angemessen. Bossert bedankte sich mit einer Zugabe bei den Zuhörern, die, um eine wundervolle Erfahrung reicher, beschwingt den Dom verließen.