18.07.2009 Orgelkonzert Seeliger
Ein vielfarbig gestaltetes Orgelkonzert
In der Konzertreihe “Konzerte im Dom“ zu Halberstadt gastierte am Sonnabend, den 18.07.09 der Organist Reinhard Seeliger aus Görlitz. Er hatte für das vielseitige Instrument Werke ausgewählt, die in ganz unterschiedliche Klangwelten führten.
Mit dem Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 von Johann Sebastian Bach erklang ein Werk in polyphoner Ausdrucksweise und lebendiger, vom hohen Geist getragener Virtuosität. Reinhard Seeliger spielte sehr transparent und in wohldurchdachten Phrasierungen.
Das zweite Werk von Johann Gottfried Walther, einem Freund und Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs, das Concerto h-Moll (nach Antonio Vivaldi) - ein ganz anderer Charakter. Es ist ein konzertantes Werk im festlichen Gewande, auch auf kleineren Orgeln läßt es sich gut darstellen, kam aber hier auf dieser großartigen Orgel zur vollen Entfaltung, besonders am Schluß dieses Werkes wurde die norddeutsche Orgeltradition deutlich. Dieses Werk klang in voller Schönheit aus, auch hier bewies Seeliger dynamisch und differenziert zu gestalten.
Das Jahr 2009 ist u. a. den Werken Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet. So stand die Sonate IV, op. 65, Nr. 4 auf dem Programm. Seine Werke sind richtungsweisend und stellen somit ein Bindeglied zwischen Bach`scher Orgelmusik und Romantik dar. Es ist ein Werk in Sonatenform. Durch die Vielfarbigkeit dieses Werkes wurde der Zuhörer in andere Sphären geführt, wie aus entfernten Räumen einer anderen Welt erklangen zarte Passagen, die aber zur Realität und zum vollen Orgelklang führten.
Als letztes Werk stand die „Suite Carmelite“ von Jean Francaix, einem französischen Komponisten, der 1997 verstorben ist, auf dem Programm. Er wird üblicherweise mit Orgelmusik nicht in Verbindung gebracht. In der Suite „Carmelite“ porträtierte er charakterlich verschiedene Ordensschwestern, was Seeliger hervorragend gelang und die Musik sprechen ließ. Er zauberte anschaulich Klangbilder in anderen Tonfarben.
Zum Schluß – begeisterter Beifall der Zuhörer. Mit den Zugaben: „Ein musikalischer Scherz – wenn Mozart `Geh aus mein Herz`komponiert hätte“ von Fischer und der Toccata aus der 5. Orgelsinfonie F-Dur von Charles-Marie Widor wurde ein vielfarbig gestaltetes Orgelkonzert beendet.
Hannelore Sischka