Zum Ewigkeitssonntag bot der A-capella-Chor Halberstadt in der Bartholomäuskirche ein Konzert mit geistlicher Chormusik verschiedener Epochen. Dieser Chor unter der Leitung von KMD Claus-Erhard Heinrich versteht sich als Projektchor, der in jedem Jahr gezielt nur für die Erarbeitung eines Konzertprogramms zusammenkommt. Umso höher ist die Homogenität des Chorklanges zu bewerten, die dieses Ensemble während des gesamten Konzerts auszeichnete.

Mit dem Requiem von Johannes Ockegehem (um 1425 – 1496), einem wichtigen Vertreter der niederländischen Schule, hatten sich die Sänger für ein äußerst anspruchsvolles Werk der Chorliteratur der Renaissance entschieden. Beginnend mit einem weichen und warmen Piano entwickelten sie unter der behutsamen und doch sehr klaren Leitung ihres Dirigenten einen durchsichtigen, sauber intonierten und sehr kultivierten Klang. Die unterschiedliche Dynamik der einzelnen Sätze wurde mit sicherem Stilempfinden herausgearbeitet. Phrasierung und Linienführung, die mit leuchtendem Sopran gesungenen Verzierungen ließen die herbe Schönheit dieser polyphonen Chormusik voll zur Geltung kommen.

Liedkompositionen von Johann Eccard (1553-1611) brachten den Zuhörern homophone Klänge nahe. Ein runder, kräftiger Chorklang, gepaart mit guter Textverständlichkeit, diente hier vor allem der inhaltlichen Gestaltung dieser geistlichen Gesänge. Dieses Anliegen wurde durch eine Meditation, die sich auf die gesungenen Texte bezog, unterstützt.

Kantor Jürgen Opfermann bereicherte das Konzert mit dem „ Präludium h-moll“ und der „Fantasie G-Dur“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Seine gut durchdachte Registrierung und sein virtuoses Spiel brachten die verschiedenen Möglichkeiten der im vergangenen Jahr erneuerten Orgel zum Klingen. Sowohl das volle Werk als auch durchsichtige, zarte Klänge beeindruckten die Zuhörer. Besonders schön gestaltete er die Echowirkung in der Fantasie .

Zum Abschluss des Konzerts sang der Chor zwei Kompositionen unserer Zeit. Mit den Chorsätzen von Siegfried Reda und Wolfgang Stockmeier wurden dem Publikum die harmonisch anderen Mittel des 20. Jahrhunderts bewusst. Besonders ergreifend war im letzten Werk der Klangteppich unter dem von den Frauen gesungenen Text „In dich hab ich gehoffet, Herr“, der dann schließlich mit dem im äußersten Piano gehauchten „...nicht zuschanden“ ausklang. Ein tief ergriffenes Publikum setzte erst sehr zögerlich mit dem Applaus ein.

 

Herbert Schlame – Rezension zum 20.11.2011 in St. Bartholomäus, Blankenburg