Orchestrale Orgelklänge im Dom

Im Rahmen der Domkonzerte gastierte am Sonnabend, den 13.08.2011 Andreas Zacher aus Potsdam im Halberstädter Dom. Für dieses Orgelkonzert hatte er Werke aus verschiedenen musikgeschichtlichen Epochen ausgewählt, die in unterschiedliche Klangwelten führten. Zu den wenigen Orgelwerken von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) gehörte die Sonate D-Dur op. 65,5. Sie bildete die gravitätische Einleitung dieses Abends. Der Ideenreichtum und die Schönheit dieser Musik kamen hier in aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Der Choral „Allein sei der Höh` sei Ehr“ von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) erklang in hellen, schönen Dreiklangsfiguren und Trillerketten. Andreas Zacher spielte in wohldurchdachten Phrasierungen. Die konzertanten Elemente traten deutlich hervor. Mit den Variationen aus „Trois pieces pour Grand Orgue“ von Jehan Alain (1911 – 1940), einem französischen Komponisten wurden die Zuhörer in neue, aber doch zum Teil vertraute Orgelklänge geführt. Durch markanten Rhythmus und interessante Stimmführung entstanden tonmalerische Bilder, von großer Verzweiflung bis zur tiefen Verinnerlichung. Die Triosonate e-moll BWV 528 von Johann Sebastian Bach wurde virtuos und souverän von A. Zacher gespielt – ein Meisterwerk Bachscher Orgelmusik! „Laudes“ (Hymnus: „Christus, du Sonne unseres Heils“) - vom Interpreten selbst komponiert, verdeutlichte in klarer Durchsichtigkeit den Charakter dieser Komposition. Die Musik passt sich dem vorgegebenen Text an und schildert, daß alles mit einander verbunden ist. Hier werden Worte in Musik gefasst! Wie mit einem strahlenden „Gloria“ schließt der Hymnus in leuchtenden Farben. Den großen Höhepunkt an diesem Abend erreichte A. Zacher mit dem Finale aus der ersten Symphonie von Louis Vierne (1870 – 1937), ein Werk der französischen Orgelromantik. Kontrast- und farbenreich erklangen die jeweiligen Themen. Wie es die Bezeichnung „Sinfonie“ schon andeutete, steigerte sich alles bis zur orchestralen Klangfülle – ein Werk , wie für den Dom geschaffen. A. Zacher zeigte, wie vielseitig die Orgel zum Klingen gebracht werden kann – eine gelungene Interpretation aller Werke! Der große Beifall des Publikums wurde mit einer Zugabe belohnt.

Hannelore Sischka