26.06.2010 Pantomime und Orgel

Die Bibel ohne Worte oder Pantomime und Orgel im Dom - ein Konzert der besonderen Art

Abweichend von den im Sommer stattfindenden Orgelkonzerten am Sonnabend trat am 26.Juni die Orgel etwas zu Gunsten der Pantomime zurück. Eingebettet zwischen vier Improvisationen über Gospelsongs und je zwei Erzählungen aus dem Lukas - und Matthäus - Evangelium bot Angela Kunze - Beiküfner ein pantomimisches Meisterwerk bei der Umsetzung dieser Themen. Unter den Gospeln - wunderbar leicht und fast zart vorgetragen von Domkantor C.-E. Heinrich - war auch das bekannte „ Amazing grace“.

Hier merkte man deutlich , wie gerne Herr Heinrich am liebsten ganz aus sich heraus-gegangen wäre. Die biblischen Texte wurden von Johanna Kunze - Beiküfner ,als Einführung vor die Pantomime gesetzt, sehr sicher und ausdrucksvoll vorgelesen. Sie ist die Tochter von Frau Kunze - Beiküfner, noch jung an Jahren, und hätte für ihren Part einen Sonderapplaus verdient. Wer Frau Kunze - Beiküfner schon bei anderen Auftritten erlebte - Stephanikirche Osterwieck, Liebfrauenkirche und Martinikirche in Halberstadt - wußte, daß eine Meisterin ihres Faches zu sehen ist. Am Sonnabend wandelte sie sich, unter dem heilenden und segnenden Einfluß der Worte Jesu, von einer verkrümmten

Gestalt zu einer anmutigen Frau, vom Geld gierigen Zöllner zum Almosen verteilenden Menschenfreund. War bei dem Thema „ Jesus und die Kinder“ wechselnd Kind, Jesus

und Jünger und im Garten von Gethsemane der verzweifelte, dann sein Schicksal in die Hand Gottes legende Jesus. Mit sparsamen Körperbewegungen gelang es der Pantomi-min all diese Geschichten so genau zu erzählen, daß die Zuschauer mühelos dem Ge-schehen folgen konnten. Die einfühlsame, jede Bewegung von Frau Kunze- Beiküfner be

tonende, untermalende Musik des Komponisten C.-E. Heinrich trug wesentlich zum Verständnis bei. Nach dem , für diesen herrlichen Sommerabend recht ernsten, Kunst-werk, das für die Besucher zu einem beglückenden geistigen Erlebnis wurde, gab es als Zugabe eine lustige Clownerie. Unter Einbeziehung des jüngsten Publikums wandelte sich Frau Kunze - Beiküfner zum Augustin, natürlich untermalt von „Ach Du lieber Augustin“, und verschwand nach vielen Gags zum Schluß zusammengeklappt wie ein Messer in einem großen gelben Eimer. Der Dank für diesen schönen musikalischen Abend gilt den drei Akteuren, deren Darbietungen ein größeres Publikum zu wünschen gewesen wäre.

Dr. Ingeburg Stoyan